Takafumi Horiuchi

Arpeggicho

Ein System, das gespielte Arpeggien in Echtzeit als Akkorde hörbar macht

1. Überblick

Das System nimmt die selbst gespielten Töne einzeln auf und legt sie übereinander, sodass ein Arpeggio als Akkord hörbar wird. Auch mit einem Instrument, das nur einen Ton gleichzeitig spielen kann, lässt sich so in Echtzeit hören, wie die eigenen Töne zusammenklingen.

Vorführung mit dem Prototyp in der Entwicklung

2. Hintergrund und Problem

Beim Üben von Arpeggien auf dem Saxophon merkte ich, dass ich mir vor allem die Reihenfolge der Fingerbewegungen und Griffmuster einprägte. Es fiel mir schwer, die einzeln gespielten Töne gedanklich mit dem Klang des Akkords zu verbinden, den sie gemeinsam ergeben würden.

Daraus entstand die Idee für ein Werkzeug, das die tatsächlich gespielten Töne übereinanderlegt und die Beziehung zwischen Arpeggien und Akkorden mit dem Gehör erfahrbar macht.

3. Ansatz

Links: nach dem Spielen von C und E. Rechts: Mit G ist der C-Dur-Dreiklang vollständig.

Erlebnis 1: Beim Spielen einen Akkord aufbauen

Das System lässt die zuvor gespielten Töne weiterklingen. Spielt man beim Zuhören den nächsten Ton, überlagern sich die gehaltenen Töne mit dem aktuellen Instrumentenklang. So lassen sich Intervalle und Akkordklang schon während des Spielens hören.

Erlebnis 2: Nach dem Spielen noch einmal zuhören

Auch nach dem Ende des Spielens klingen die eigenen Töne als Akkord weiter. Ohne sich auf das Spielen des Instruments konzentrieren zu müssen, kann man den vom eigenen Arpeggio erzeugten Klang mit etwas Abstand beurteilen.

Der zentrale Gedanke: Den eigenen Klang verwenden

Wiedergegeben werden die unmittelbar aufgenommenen eigenen Töne statt vorgefertigter Instrumentenklänge. Die eigene Klangfarbe und Intonation bleiben erhalten. Dadurch sind sowohl das Überlagern der Töne beim Spielen als auch das anschließende Zuhören mit der eigenen Spielweise verbunden.

4. Gestaltung und Umsetzung

Da das System mit Schall in einem realen Raum arbeitet, gehören auch der Einsatzort und die Bedingungen für Audioeingabe und -ausgabe zur Gestaltung. Beim Start misst eine Kalibrierung etwa eine Sekunde lang die Umgebungsgeräusche. Anhand dieses Pegels wird die Schwelle zur Erkennung gespielter Töne angepasst.

Zudem gibt der Lautsprecher Aufnahmen wieder, während das Mikrofon im selben Raum neue Töne erfasst. Da beide Schallquellen am Mikrofon ankommen, wurde auch die Unterscheidung zwischen Wiedergabe und neu gespielten Tönen zu einer Herausforderung bei der Umsetzung.

Abschnitte mit instabiler Tonhöhe oder Lautstärke werden verworfen. Das System wählt aus jeder Aufnahme einen stabilen Abschnitt von 150 bis 300 Millisekunden und gibt ihn als Schleife mit geglätteten Übergängen wieder. Beim Überlagern der Töne werden außerdem Ausgangsspitzen begrenzt, damit die Lautstärke nicht zu hoch wird.

5. Nächste Schritte

Das System befindet sich noch in der Entwicklung und wurde bislang nicht veröffentlicht. Ich möchte die Klangerkennung verbessern und die Benutzeroberfläche und Bedienung für das Üben weiterentwickeln. Auch die Lernwirkung ist noch nicht untersucht. In der praktischen Anwendung möchte ich prüfen, ob das System dabei hilft, die Beziehung zwischen Arpeggien und Akkorden mit dem Gehör zu erfassen.