Foot-Furniture Interaction
Oktober 2026 · Konzeptentwicklung / persönliches Projekt
Wir wissen, dass das Möbel dort steht –
warum stoßen wir uns trotzdem den kleinen Zeh?
Dieses Projekt betrachtet die Gestaltung von Möbeln für den Alltag aus der Perspektive des Cognitive Engineering. Es befindet sich derzeit im Konzeptstadium: Ein Prototyp wurde noch nicht gebaut, das Konzept noch nicht erprobt und eine Bewertung noch nicht durchgeführt.
Ausgangspunkt: Möbel wahrnehmen und ihre Struktur in Bodennähe einschätzen
Den kleinen Zeh an einem Stuhl- oder Bettbein stoßen: Solche schmerzhaften Missgeschicke passieren, obwohl man weiß, dass das Möbel dort steht. Diese Erfahrung ist der Ausgangspunkt des Projekts.
Das Projekt richtet den Blick auf mentale Modelle, mit denen wir aus der sichtbaren Form eines Möbels auf seine Struktur in Bodennähe schließen. Könnte es zum Beispiel sein, dass wir anhand des äußeren Randes einer Tischplatte auch die Lage und Ausdehnung der Tragelemente nahe dem Boden einschätzen?
Meine Hypothese ist, dass solche mentalen Modelle der Struktur in Bodennähe beeinflussen, wo wir beim Gehen einen freien Weg vermuten, ohne ständig auf unsere Füße zu schauen. Ich gehe nicht davon aus, dass allein der erste Blick das Modell festlegt. Ich möchte beobachten, wie es sich verändert: vom Moment, in dem das Möbel ins Blickfeld kommt, über das Näherkommen und das Gehen an seiner Seite bis zum Vorbeigehen.
Alltagsszenario: der Weg am Möbel vorbei
Was erwarten wir zu welchem Zeitpunkt, und wie bewegen wir uns? Ich möchte die erwarteten Grenzen mit den Bewegungen des Körpers in Beziehung setzen und daraus Spielräume für die Gestaltung erkennen.
Wenn das Möbel ins Blickfeld kommt, interessiert mich, wie wir aus seiner sichtbaren Gesamtform auf die Struktur in Bodennähe schließen. Ich möchte untersuchen, ob die Silhouette, die Kontinuität der Form und die Darstellung der Tragelemente dafür Anhaltspunkte geben.
Beim Näherkommen möchte ich erfassen, wie sich die Einschätzung möglicher Wege mit der Entfernung verändert. Dabei betrachte ich die Konturen in Bodennähe, Kontraste und die Anordnung.
Beim Gehen an der Seite des Möbels möchte ich beobachten, wo die erwartete Grenze und der tatsächliche Bewegungsraum der Füße voneinander abweichen. Ich betrachte den Freiraum für die Füße, das Zurücksetzen harter Teile sowie Weichheit und Verformung.
Beim Vorbeigehen richtet sich der Blick auf die Bewegung der Füße und die Veränderung der Aufmerksamkeit, während das Möbel aus dem Blickfeld verschwindet. Ich betrachte das Verhältnis zwischen den Tragelementen, dem umgebenden Raum und dem Weg am Möbel vorbei.
Die Bedeutung der einzelnen Situationen steht noch nicht fest. Die Darstellung setzt weder eine gleiche Gewichtung noch gesicherte Ursache-Wirkungs-Beziehungen voraus. Die Schwerpunkte sollen sich aus Beobachtungen von kognitiven Vorgängen, Aufmerksamkeit und Kontakt ergeben.
Gestaltungsansatz: die Struktur in Bodennähe leichter einschätzen und leichter vorbeigehen können
„Leichter einschätzen“ bedeutet, dass Kontur und sichtbare Struktur eines Möbels erkennen lassen sollen, wie weit es sich in Bodennähe ausdehnt, sobald es ins Blickfeld kommt. Ziel ist es, Anhaltspunkte für die Bildung eines mentalen Modells zu geben und so die Einschätzung zu unterstützen, wo man vorbeigehen kann.
„Leichter vorbeigehen“ bedeutet, die Struktur des Möbels und den umgebenden Raum auf die tatsächlichen Bewegungen von Körper und Füßen beim Gehen an seiner Seite abzustimmen. Selbst wenn man sich entlang der erwarteten Grenze bewegt, kann es zu Kontakt kommen, wenn harte Teile in den Bewegungsraum der Füße hineinragen. Ich möchte Freiraum für die Füße, die Anordnung harter Teile und die Reaktion durch Weichheit oder Verformung untersuchen, um das Zusammenspiel von Gehen und Möbel zu gestalten.
Die beiden Ansätze sollen sich ergänzen und die aus dem Erscheinungsbild erwartete Ausdehnung in Bodennähe mit dem tatsächlich verfügbaren Bewegungsraum der Füße verbinden. Neben der Leichtigkeit des Vorbeigehens möchte ich auch eine mögliche Dämpfung von Stößen bei Kontakt gesondert untersuchen. Diese Gestaltungsansätze möchte ich durch künftige Prototypen und Beobachtungen prüfen.
Die Struktur in Bodennähe leichter einschätzen
Konturen, Farben und die sichtbare Darstellung der Struktur sollen helfen, die Struktur und Ausdehnung in Bodennähe einzuschätzen und mögliche Wege zu erkennen. Sie sollen die Bildung eines mentalen Modells unterstützen, wenn das Möbel ins Blickfeld kommt.
Leichter am Möbel vorbeigehen
Ich möchte den Freiraum für die Füße und die Anordnung harter Teile auf die Bewegung des Körpers beim Vorbeigehen am Möbel abstimmen. Weichheit und Verformung gehören ebenfalls zu den Möglichkeiten. Wie leicht man vorbeigehen kann und welche Auswirkungen ein Kontakt hätte, möchte ich getrennt prüfen.
Entwürfe: den Ansatz in Form, Struktur und Material übersetzen
Als ersten Gegenstand der Untersuchung stelle ich mir einen Beistelltisch vor. Um die Struktur in Bodennähe leichter einschätzbar und das Vorbeigehen leichter zu machen, betrachte ich mehrere Richtungen: harte Tragelemente nach innen versetzen, einen weichen Außenrand schaffen oder die Konturen der Tragelemente besser sichtbar machen. Neben dem Verhältnis der Füße zu Beinen, Zargen, Verbindungen und bodennahen Paneelen berücksichtige ich auch Erscheinungsbild und Gebrauch, Herstellung, Belastung und Stabilität.
und Freiraum für die Füße schaffen.
und eine weiche Grenze schaffen.
und die Ausdehnung in Bodennähe vermitteln.
Die folgende Tabelle ordnet mögliche Gestaltungselemente: solche, die die Bildung eines mentalen Modells der Struktur in Bodennähe unterstützen, wenn das Möbel ins Blickfeld kommt, und solche, die sich an den Bewegungen des Körpers beim Vorbeigehen orientieren. Ich möchte Gestaltungsrichtungen erkunden, die neben Form und Struktur auch Materialien, Wahrnehmungshinweise, Bewegung und Verformung sowie Anordnung und Wege einbeziehen.
| Gestaltungselement | Mögliche Richtung |
|---|---|
| Form und Raum | Ecken im unteren Bereich, Querschnitte und Freiraum für die Füße. Höhe und Auskragung aller harten Bauteile, über die Beine hinaus, sollen in ihrem Verhältnis zur Grenze betrachtet werden, die man aus der sichtbaren Kontur erwartet. Die Beine als Ganzes weiter innen anzuordnen, ist eine der Möglichkeiten. |
| Materialien | Die Kombination eines sichtbaren weichen Außenrandes mit einer harten Struktur. Bewegung der Füße und Reaktion bei Kontakt, Haltbarkeit und leichte Reinigung. |
| Wahrnehmungshinweise | Silhouette, Kontinuität der Form, Kontrast, Reflexionen und Schatten sowie sichtbare oder verdeckte Tragelemente. |
| Bewegung und Verformung | Mögliche Reaktionen auf die Bewegung der Füße: nachgeben, ausweichen und in die ursprüngliche Form zurückkehren. Weichheit und Verformung sollen nicht nur hinsichtlich ihrer Reaktion bei Kontakt betrachtet werden, sondern auch danach, ob sie den Freiraum für die Füße vergrößern oder verkleinern. Ich möchte außerdem prüfen, ob Instabilität oder neue Kontaktstellen entstehen. |
| Anordnung und Wege | Die Aufstellung an einer Wand oder neben einem Durchgang, der Abstand zu anderen Möbeln und der Weg seitlich am Möbel vorbei. |
Stoff, der etwa vom Rand der Tischplatte herabhängt, könnte einen sichtbaren weichen Außenrand bilden, den der Fuß vor den harten Tragelementen erreicht. Dieser Ansatz würde sowohl die Wahrnehmung der Kontur als auch die Reaktion bei Kontakt verändern. Dabei möchte ich auch untersuchen, ob sich der Stoff um den Fuß wickeln oder eine Stolperstelle bilden könnte. Konkrete Formen, Materialien und Maße sind noch nicht festgelegt.
Ausstellungskonzept: das Zusammenspiel von Körper und Möbel erlebbar machen
Als nächsten Schritt möchte ich die Gestaltungsansätze weiterentwickeln und einen physischen Prototyp bauen. Eine Ausstellung bei einer Veranstaltung wie der Maker Faire könnte seine Funktionsweise einem Publikum vermitteln. Neben dem Erscheinungsbild und dem Nutzungserlebnis des Möbels möchte ich zeigen, ob sich die Struktur in Bodennähe leichter einschätzen lässt, ob man leichter vorbeigehen kann und ob der kleine Zeh seltener Kontakt hat.
Ein Möbel einfach aufzustellen und betrachten zu lassen, vermittelt das Zusammenspiel von Körper und Möbel nur begrenzt und bietet kaum ein spielerisches Erlebnis. Deshalb stelle ich mir ein kurzes Minispiel vor, bei dem die Besucherinnen und Besucher selbst um das Möbel gehen und seine Beziehung zu ihren Füßen intuitiv erfahren können.
Sensoren könnten zum Beispiel leichte Berührungen mit weichen Ersatzbauteilen erfassen. Ein Punktestand würde anzeigen, ob man das Möbel berührt hat oder ohne Kontakt vorbeigekommen ist. Ein Mechanismus, bei dem jede Berührung Punkte kostet, könnte helfen, Unterschiede in Form und Struktur spielerisch wahrzunehmen.
Ich stelle mir einen Vergleich zwischen einer Anordnung mit nachgebildeter herkömmlicher Form und den Entwürfen vor, bei gleichem Weg, Raum und gleicher Aufgabe. Möglich wären auch Anzeigen, die Kontaktstellen im Rückblick zeigen oder Wege übereinanderlegen. Sensorik und Punktevergabe sind noch offen. Falls das Betreten eines Nahbereichs gemessen wird, soll dies klar von tatsächlichem Kontakt unterschieden werden.
Das Spiel soll weder zum Rennen noch zu absichtlichen schmerzhaften Zusammenstößen anregen. Vor der Teilnahme sollen Sturz- und Kontaktrisiken geprüft werden; Geschwindigkeit soll kein Wettbewerbsziel sein. Falls Daten aufgezeichnet werden, möchte ich Zweck und Umfang erläutern und die Zustimmung einholen. Stellen, an denen Teilnehmende unsicher waren oder etwas berührt haben, sollen in den nächsten Prototyp einfließen.
Ausblick: über Herstellung und Erprobung zu einer Möbelserie
Die Betrachtung der Interaktion zwischen Mensch und Möbel aus der Perspektive des Cognitive Engineering bildet die Grundlage. Darauf aufbauend möchte ich Gestaltungen erkunden, deren Struktur in Bodennähe leichter einzuschätzen ist und an denen man leichter vorbeigehen kann.
Ich möchte die konkrete Gestaltung und Herstellung voranbringen, die Funktionsweise der Möbel etwa in Ausstellungen prüfen und ihre Wirkung im Alltag untersuchen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine Serie von Möbeln einfließen, die man im Alltag gern verwendet. Für die Zukunft wünsche ich mir daraus Möbelprodukte, die Menschen nach einer Ausstellung kaufen und zu Hause nutzen können, wenn sie ihnen gefallen haben.